Vanessa del Rio wurde am 31. März 1952 im New Yorker Stadtteil Manhattan geboren. Ihre Mutter stammte aus Kuba, ihr Vater aus Puerto Rico – eine Mischung, die später oft als markantes Merkmal ihrer Erscheinung genannt wurde. Sie wuchs im Arbeiterviertel Spanish Harlem auf, wo sie früh mit den harten Realitäten des Stadtlebens konfrontiert war. Nach eigenen Angaben verließ sie mit 16 die Schule und jobbte unter anderem als Kellnerin und in einer Fabrik, bevor sie durch einen Bekannten in Kontakt mit der aufkeimenden Erotikbranche der 1970er-Jahre kam.
Ihr Einstieg in die Pornoindustrie erfolgte 1975, als sie für eine Produktion der Firma „Cinemagique“ vor der Kamera stand. Schnell fiel ihre selbstbewusste, dominante Art auf – zu einer Zeit, in der weibliche Darstellerinnen meist nur als passive Objekte inszeniert wurden. Vanessa del Rio brach mit diesem Klischee: Sie übernahm die Kontrolle in den Szenen, bestimmte oft die Drehrichtungen mit und baute sich einen Ruf als „Diva“ der Branche auf. In den späten 70ern und frühen 80ern drehte sie für renommierte Studios wie VCA, Caballero und Video-X-Pix.
Ihr Durchbruch gelang mit dem Film „The Devil in Miss Jones – Part II“ (1980), der auch außerhalb der Erwachsenenbranche Beachtung fand. Zeitgleich erschien sie in Magazinen wie Hustler und Penthouse und wurde zur gefragtesten Darstellerin ihrer Ära. Anders als viele Kolleginnen pflegte sie ihre eigene Marke: Sie trat mit auffälligem Make-up, großen Ohrringen und einer unverwechselbaren, tiefen Stimme auf. Ihre Sexualität galt als unzensiert und kompromisslos, was ihr den Spitznamen „The Black Pearl“ einbrachte – ein Verweis auf ihre lateinamerikanische Abstammung und ihre dunkle Haarpracht.
Bereits Anfang der 1980er-Jahre begann Vanessa del Rio eigene Filme zu produzieren und Regie zu führen. Sie gründete die Produktionsfirma „Vanessa del Rio Productions“ und drehte Werke, in denen sie nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera agierte. Dieser Schritt war zu jener Zeit äußerst ungewöhnlich für eine Frau in der Pornoindustrie. Sie erweiterte ihr Portfolio durch Fotoshootings, Autobiografien und Cameo-Auftritte in Mainstream-Produktionen wie „Miami Vice“ oder „The Larry Sanders Show“. 2004 erschien ihre Autobiografie „Vanessa del Rio: Fifty Years of Slightly Slutty Behavior“ (auf Deutsch etwa: „Fünfzig Jahre leicht schlampiges Verhalten“), die Einblicke in ihr Privatleben und die Industrie gewährte.
Vanessa del Rio wurde in die AVN Hall of Fame (1996) und die XRCO Hall of Fame (1998) aufgenommen. Ihre Karriere erstreckte sich über mehr als drei Jahrzehnte, obwohl sie sich in den 1990er-Jahren weitgehend aus dem aktiven Drehgeschehen zurückzog. Sie blieb jedoch als Gast auf Conventions und in Podcasts präsent, wo sie offen über Körperbild, feministische Aspekte der Erotikbranche und ihre eigene Geschichte sprach. Bis heute gilt sie als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der goldenen Ära des Pornofilms, deren Arbeitsethos und selbstbestimmter Stil viele spätere Darstellerinnen inspirierten.